Eine Geschichte, die verständlich macht, warum ich zum Teil auf eine schiefe Bahn geraten bin. Mittlerweile kann ich darüber schreiben. Vor ein paar Jahren wäre das noch nicht gegangen - zu groß die Scham, zu stark die Angst vor Stigmatisierung. Vor kurzem bin ich 17 geworden. Ich fühle mich erwachsen. Zum einen, weil ich denke, dass man mit 17 schon erwachsen ist. Zum anderen bin ich es teilweise wirklich schon, weil ich durch die Umstände in meinem Leben dazu gezwungen wurde. Die Familiensituation und das Finanzielle passen gerade gar nicht. Zudem macht mir ein Mensch, den ich mir nicht ausgesucht habe, das Leben zur Hölle.

(Ein Tag im Herbst 2007 –*Namen frei erfunden, die Geschichten aber nicht) Ich bin wenig zu Hause. Ich versuche es zumindest. Auch, weil meine Mutter diesen Menschen, den ich mir nicht ausgesucht habe, oft meiner Wenigkeit vorzieht. In vielen Belangen. Wegen der Situation mit ihm müssen meine Schwester und ich auf uns selbst schauen – und zugleich auch teils auf unsere Großmutter, die schwer krank ist. Wir halten es gut aus, weil wir zusammenhalten. Meine Schwester ist schon vor fast drei Jahren ausgezogen – gezwungenermaßen, was ihr Verhältnis zu unserer Mutter sehr gestört hat. Ich musste zu Hause bleiben – gezwungenermaßen, was mein Verhältnis zu unserer Mutter sehr gestört hat. Aber nichts hat das Verhältnis zu ihr so sehr gestört, wie diese Erfahrung. Dass der Tag einer jener Tage sein würde, die mein restliches Leben auf eine sehr schiefe Bahn bringen, weiß ich zu diesem Zeitpunkt noch nicht. Ich sollte das auch erst viele Jahre später herausfinden – sagen wir so ungefähr sieben Jahre.

Ich sitze in meinem Zimmer und spiele auf der Konsole. Aus dem Wohnzimmer ertönt Bob Dylan in Dauerschleife. Ein Album, immer und immer wieder. Es enerviert mich. Nicht ganz sicher darüber, ob Manuel* in seinem Rausch mal wieder eingeschlafen ist, gehe ich ins Wohnzimmer. Er schläft. Die Zigarette zwischen den Fingern bis zum Filter abgebrannt. Die Asche sammelt sich an seinem Fingerrücken. Ich lache innerlich. Ein Bild für Götter, wie er die Hand in die Luft haltend und in der Einschlafposition verharrend dort liegt. Das passiert des Öfteren. Manuel und ich haben ein komisches Verhältnis. Er spielt gerne meinen Stiefvater, was mich nervt. Okay – er ist mit meiner Mutter verheiratet, aber Vater habe ich einen und brauche auch keinen zweiten. Sein lächerlich dominantes Verhalten kann ich nicht ernst nehmen. Ich kann ihn nicht ernst nehmen. Aber manchmal lachen wir auch, haben ganz gute Gespräche, machen etwas zusammen. Doch es gibt da so ein paar Probleme mit ihm, die meinen Hass mittlerweile so sehr wachsen haben lassen, dass für mich das Positive vollkommen wertlos erscheint.

Ein Möchtegern- Stiefvater

Manuel ist 15 Jahre jünger als meine Mutter – gerade einmal 9 Jahre älter als ich. Er hatte keine leichte Kindheit, doch entschuldigt er sich unbewusst damit für jede seiner Aktionen. Deshalb darf er seines Erachtens nach so sein, wie er eben ist. Den Drogen nicht abgeneigt, der Arbeit aber schon. Während meine Mutter häufig nachts arbeitet, um uns über Wasser zu halten, liegt er den ganzen Tag auf der faulen Haut oder zieht mit seinen Freunden um die Häuser. Sogar ich geh arbeiten. Zwanzig Stunden pro Woche. Nach der Schule direkt in die Arbeit. Dann zur Großmutter. Dann nach Hause. Dorthin, wo der faule Sack zugedröhnt auf der Couch die Zigaretten von allein verbrennen lässt – zum Teil meine Zigaretten.

Solange er nur kifft, komme ich halbwegs klar. Da schläft er meist und geht mir nicht auf die Nerven. Berauscht durch andere Dinge ist er immer etwas bedürftig. Heute scheint es wieder nur Gras gewesen zu sein. Ich drehe die Musik ab. „Heeeeeehee!“ – im Halbschlaf mahnt er mir. „Alter, penn weiter“, denk ich mir. Natürlich wacht er jetzt auf und nicht schon zu dem Zeitpunkt, als ich ihm die Zigarette aus der Hand genommen hab. Er zündet sich sofort wieder eine an. „Serwas Maxl, seit wann bis du da?“, fragt er mich. Genervt grüße ich nur, ohne weitere Antwort. Manuel greift nach der Bierdose. Sie ist leer. Er sieht mich verschlafen an. Ich sehe ihn böse an. Er schleppt sich in die Küche. Ich nütze das Momentum, um in mein Zimmer zu verschwinden. Hinter mir verschließe ich die Tür.

Der Versuch, die Ruhe zu bewahren

Es klopft. „Manu, ich möchte gerade ein bisschen allein sein!“, versuche ich ihm höflich klar zu machen. „Ist alles in Ordnung?“, fragt er. Natürlich ist nichts in Ordnung. „Du versäufst und verkiffst die Kohle meiner Mutter und bekommst deinen Arsch nicht hoch.“, denke ich mir nur, würde es aber gerne laut schreien. Die letzten Monate gab es viele Situationen, die sehr grenzwertig waren. Seine Junkie- Freunde in unserer Wohnung, eine zerschlagene Glastür, viel Gebrüll. Da hat sich einiges an Aggressionen angestaut in mir. Ich sage stattdessen: „Ne, passt eh alles, nur fertig von der Arbeit.“ Ich betone das Wort Arbeit und hoffe, dass er den Hinweis ein bisschen versteht. Aber dafür ist er wahrscheinlich zu zugedröhnt. Er geht. Ich muss mich kurz beruhigen. In mir brodelt es. Wie er meine Mutter behandelt, wie die zwei dauernd streiten, wie er sein Leben führt, wie meine Mutter sich mir gegenüber immer mehr zurückgezogen hat, seit er da ist – viel Ärger, den er bei mir verursacht.

Natürlich bin ich nicht der einfachste Teenager. Mit meinem besten Freund Peter* treibe ich laufend Unfug – und lege allein noch einen drauf. Ein Rauswurf aus der Schule, voll betrunken vor Polizisten im Park verstecken, mit meinen Kumpels Dinge anzünden, Sachen mitgehen lassen – die Liste könnte ich ewig weiter führen. Insgeheim ein Hilfeschrei, der aber niemals so verstanden wurde. Keine Grenzen. Ich habe sie vergeblich gesucht. In der Schule bin ich zum Glück nicht schlecht. Zufall. Ich tu nichts dafür. Eher schwänze ich zahlreiche Stunden – überlastet von den Dingen, die zu Hause passieren. Mein Schwager und meine Schwester sind manchmal Zuflucht. Was wäre ich ohne sie? Aber auch sie haben Grenzen in ihren Möglichkeiten. Dennoch darf ich ab und an bei ihnen schlafen. Das rettet mich zum Teil.

Lasst das Drama beginnen

Ich höre das Schloss an der Haustür. Meine Mutter kommt nach Hause. Ich wache auf. Das würde ich zwar niemals zugeben, aber ich freue mich auf sie. Deshalb steh ich nochmal auf und gehe hinaus. Obwohl unser Verhältnis immer gespaltener ist, haben wir dennoch einen starken Draht. Nicht zwingend emotional, wohl eher intellektuell. Auch wenn sie wenig für mich da ist, habe ich zumindest das. Sie ist sichtlich fertig. Wir rauchen gemeinsam eine, sagen aber nicht viel. Stille Gesellschaft. Sie geht von Manuel genervt ins Wohnzimmer. Ihr gefällt es auch nicht, wie er sein Leben führt. Nur Schnarchen von seiner Seite, während wir direkt vor ihm stehen. Ich merke, da braut sich was zusammen und versuche gleich, der Situation zu entfliehen. Ich weiß, dass auch sie nicht einfach ist in einer Beziehung, aber in der Situation versteh ich sie vollkommen. Reingezogen werden möchte ich dennoch nicht, weshalb ich in mein Zimmer gehe.

Kurz bevor ich die Schwelle zum endgültigen Schlaf überschreite, ertönt ein Knall, gefolgt von Gebrüll. Ich zucke zusammen. Adrenalin. Das bedeutet nichts Gutes. Ich versuche leise zu atmen, damit ich höre, was die zwei reden. Ich versteh es nicht. Ich will es aber verstehen. Um das Knarren des Parkettbodens zu verhindern und damit unbemerkt zu bleiben, rutsche ich auf allen Vieren in Richtung Türe. Unter den Händen mein Shirt, unter jedem Knie eine getragene Socke, um besser über den Boden zu gleiten. An der Türe drehe ich ganz langsam den Schlüssel. Glas zerbricht. Noch mehr Adrenalin. So eine Situation ist zwar nichts Neues, aber gerade wühlt mich das extrem auf. Beide schreien sich an. Es wird immer heftiger.

Der Konflikt beginnt zu eskalieren

Ich springe auf. Unbemerkt zu bleiben, ist nicht mehr mein Anspruch. Mein Gefühl sagt mir, dass es heute anders ist. Dass es heute heftiger ist. Und dass die Grenze jetzt erreicht ist. Zu lange habe ich weggesehen. Zu viel hat sich aufgestaut. Zu viel ist schon passiert. „Hey!“, brülle ich beiden entgegen, „ich habe keinen Bock mehr auf eure Scheiße!“ „Misch dich nicht ein! Wenn der Kuchen redet, haben die Krümel leise zu sein.“, schreit mir Manuel entgegen. Ich stehe kurz verblüfft da. Keine Reaktion meinerseits mehr. Die Zwei streiten weiter, als hätte ich nichts gesagt. Viel Aggression in der Luft. Meine Mutter schreit. Manuel schreit. Ich bin still. Dann sehe ich seine Hand, wie sie in die Richtung meiner Mutter langt. Ich habe eine hohe Hemmschwelle. Ich hatte sie. Bis jetzt. Es reicht mir.

Während ich Manuel einen Stoß verpasse, beginnt meine Mutter zu weinen. Zugleich schreit sie mich an: „Fabian, das geht dich nichts an!“ „Misch dich nicht ein“, sagt Manuel, „und hör auf mich anzugreifen. Sonst kannst du damit rechnen, dass auch was zurückkommt.“ Das ist mir reichlich egal. Meiner Mutter erkläre ich, dass ich das jetzt regle und scheinbar für sie Entscheidungen treffen muss. Zu Manuel sage ich: „Verschwinde. Schleich dich aus der Wohnung!“ Er grinst blöd. Meine Aggression steigt. „Kasperl“ nennt er mich. Das provoziert mich weiter. Spannung liegt in der Luft. Meine Mutter ist wie paralysiert. Manuel ist aggressiv. Ich bin auf hundertachtzig.

Ein vollzogener Rollentausch

Die dauernden Auszucker von Manuel – von beiden eigentlich – rauben mir viele Nächte. Sie berauben mich meiner Energie. Ich komme oft nicht zu Schlaf. Alle paar Tage eskaliert es. Hinzu kommt mein Ärger über die Lebensweise von Manuel. Jetzt kann ich das ändern. Ich packe Manuel. Er versucht sich zu wehren und loszulösen. Meine Mutter schreit mich wieder an, sichtlich mit der Situation überfordert. „Hör auf!“ Sie steht plötzlich ganz auf seiner Seite. „Fabian, das ist alles nicht so schlimm, wie es aussieht.“, erklärt sie mir unter Tränen. Sie hält mich wohl für blöd. Ich lasse Manuel los und gehe auf meine Mutter zu. „Alles nicht so schlimm?“, schrei ich sie an: „alles nicht so schlimm?“ Kurz ringe ich nach Atem, weil das Adrenalin mich überwältigt. „Für euch, verdammte scheiße, ist es vielleicht nicht schlimm. Aber ihr zieht mich da mit rein!“ Mein gesamter Frust bricht aus. „Die ganzen scheiß Drogen, die Tatsache, dass dieser Typ nicht arbeiten geht und ich schon“, Manuel versucht mich zu unterbrechen. Er fordert Respekt.

Ich schaue ihn an. „Vor dir, vor dir soll ich Respekt haben? Ich habe mehr in dieser Woche gearbeitet, als du in deinem ganzen verschissenen Leben. Also erzähl mir nichts von Respekt.“ Manuel ist wieder Ziel meines Ärgers. „Verschwinde! Ich gebe dir fünf Minuten, um zu gehen.“ Meine Mutter brüllt dazwischen. „Du sagst nicht, wann er gehen soll.“ Das ignoriere ich und blicke sie nur wütend und bestimmt an. Noch mehr Tränen schießen ihr aus den Augen. Während Manuel versucht, mich verbal zu attackieren, gehe ich zu ihm und packe ihn wieder. Ich versuche ihn, aus dem Wohnzimmer in den Flur zu ziehen. Nachdem er sich zwei Mal losgerissen hat, raste ich vollkommen aus. Er stößt mich weg, ich packe ihn nochmal. Dieses Mal bei den Haaren. „Das hast du mir beigebracht, mein Lieber. Du hast mir erklärt, dass man deshalb niemals lange Haare haben sollte.“ Er hat lange Haare. Je mehr er sich wehrt, umso fester ziehe ich daran. Meine Mutter steht erstarrt daneben.

Endlich ein Ende in Sicht

Kurz vor der Türe sagt Manuel: „Ich geh eh schon. Lass mich los. Ihr habt ja beide einen Vollschaden!“ Er geht ins Schlafzimmer. „Manuel, raus!“, schrei ich. Als ich ihm Folge, sehe ich, wie er sich noch etwas anzieht. Er scheint wirklich gehen zu wollen. „Schlüssel her, du kommst nicht wieder.“, fordere ich ihn auf. Er schmeißt sie vor mich auf den Boden, drängt sich grob an mir am Flur vorbei und geht hinaus. Er knallt mit der Türe. Die Nachbarn sind es schon gewohnt. Nachdem er draußen ist, verschließe ich hinter ihm die Türe und ziehe die Schlüssel ab. Meine Mutter kommt heulend in das Vorzimmer. Ich schaue sie böse an und sage: „Das ist mit dem heutigen Tag vorbei. Wenn er wieder zurückkommt, zünde ich die scheiß Bude an. Und wenn es sein muss, mit euch beiden drin.“

Sie wirft mir Dinge an den Kopf. Versucht sich zu erklären. Beschimpft mich. Ich bleibe eiskalt. „Ich ruf notfalls die Polizei und lass ihn wegen seinem scheiß Zeug einfahren!“, drohe ich meiner Mutter. Sie ist verärgert, aber gerade machtlos. Zu oft habe ich nur zugesehen. Dieses Mal ist mir der Kragen geplatzt. Das Fass ist übergelaufen. Dass ich einmal wirklich so weit gehe, hat sie nicht erwartet. Sie ist wahrscheinlich gerade gespalten, aber ihre Gefühle sind mir vollkommen egal. Ich sammle die Schlüssel ein, gehe in mein Zimmer und versperre die Türe hinter mir.

Der nächste Morgen

Mit verquollenen Augen wache ich auf. Auch an mir ist die Nacht nicht spurlos vorübergegangen. So hart ich auch meiner Mutter gegenüber war, es hat mich dennoch sehr getroffen. Sie auf seiner Seite. In so einer Situation. Das ist für mich unverständlich. Weinend bin ich eingeschlafen. Mit dem Gefühl, von der eigenen Mutter verraten worden zu sein. Ohnmächtig – bis zu einem gewissen Grad. Der Grad, ab dem die Ohnmacht wich – die Entscheidung zur Gewaltausübung. Nur mit Gewalt habe ich das lösen können. Langsam raffe ich mich auf. Leicht verschlafen trage ich meinen erschöpften Körper in die Küche.

Während ich mit dem Glas Wasser durch den Flur zurück in mein Zimmer gehe, sehe ich Manuels Jacke auf dem Stuhl im Wohnzimmer. Meine Wut kommt wieder hoch. Die Schlafzimmertüre ist verschlossen. Ein klares Zeichen für mich. Sie hat ihn nachts wohl reingelassen. Wir haben erst vor kurzem das Schloss getauscht. Manuel verliert gerne Schlüssel. Scheinbar habe ich einen der neuen Schlüssel vergessen. Nachdem ich an dieser Beziehung scheinbar nichts ändern kann, entscheide ich mich für einen anderen Weg. Ich lasse Manuel in mir sterben. Er hat viel dafür getan, weshalb mir das nicht schwer fällt. Aber auch meine Mutter trägt Verantwortung. Der Rollentausch, der sich zwischen uns immer mehr vollzogen hat, ist ungesund. Das ist mir klar. Ich wurde zum Elternteil. Sie zum Kind. Sie kann ich in mir nicht sterben lassen. Doch meinen Respekt hat sie mit diesem Tag verloren.

Viele Fehler meinerseits folgten darauf. Die Trigger dieses Traumas wurden ein paar Mal gedrückt. Immer, wenn Schwächere attackiert wurden, bin ich ausgerastet. Trotz meiner Strafen wurde ich nie aufgegeben – von meiner Familie nicht und auch von meinen Betreuern nicht. Mein Glück war, dass ich niemals einfach so jemanden attackiert hatte – das war mildernd. Leider hatte ich zumeist vollkommen übertrieben „geholfen“. Das war dumm. Aber einige Jahre der Betreuung und viele Stunden in Gruppen- und Einzeltherapie haben mich sehr weit gebracht, auch in meiner persönlichen Entwicklung. Vier Jahre der Betreuung und des wöchentlichen Antretens am Praterstern. Mit 23 war der Spuk vorbei. Die wertvollen Lehren möchte ich dennoch niemals missen.

Nur ein Problem löste sich nie auf – der Rollentausch, den meine Mutter und ich vollzogen. Dieser hielt sich bis zu ihrem Tod. Ein paar Jahre dauerte es noch, bis sich zumindest eine Sache änderte. Manuel war weg. Aber erst fünf Jahre nach diesem scheiß Tag. Viele Konflikte, viele eskalierende Streits, viele Gespräche mit meiner Mutter – oft musste ich sie mahnen. Immer mehr hatte es auch der Rest meiner Familie mitbekommen und der Druck stieg. Letztlich war Manuel so dumm, dass er für andere erkenntlich mit anderen Frauen auf – nennen wir es einmal – unangebrachte Weise interagierte. Ein paar Jahre nach der Trennung dann auch zumindest eine erkämpfte Entschuldigung meiner Mutter für diese Erfahrungen.

Für mich war die wichtigste Lektion, die Tatsache zu erkennen, dass jeder Mensch in seinem Rahmen das Bestmögliche versucht. Niemand ist vollkommen. Niemand ist perfekt. Der Groll, den man gegen einen Menschen hegt, trifft nur einen selbst. Loszulassen und zu verzeihen ist unumgänglich, wenn man nicht durchdrehen möchte. Ich habe mittlerweile verziehen. Der Schmied meines Schicksals bin nur ich. Niemand anderes trägt Schuld. Natürlich haben Eltern Verantwortung, doch auch sie unterliegen den Gegebenheiten des Seins. Was kann ich also ändern? Jedenfalls nicht die Vergangenheit! Solange ich meine Mutter als Entschuldigung missbraucht hatte, solange stand ich still. Entwicklung kann nur dort passieren, wo dich nichts zurückhält. Das sind in den seltensten Fällen andere Menschen, das bist zumeist du selbst.